Deutscher Fussball für die “echten” Deutschen

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Dieselbe Mischung aus Viktimisierung und Ressentiments, die die Wahlerfolge rechtsextremer Parteien antreibt, schürt den Fanhass und Rassismus im deutschen Fußball.

Deutschland hat drei Fußball-Bundesligen mit 56 Profimannschaften. Die 18 Elite-Teams treten in der Bundesliga an, der Rest in der zweiten und dritten Liga. Vor drei Jahrzehnten wurde Deutschland wiedervereinigt. Doch bis heute kommt die überwiegende Mehrheit der Vereine, die in der Bundesliga spielen, aus dem Westen des Landes. Die beiden Ausnahmen sind der RB Leipzig und Union Berlin, der aus dem östlichen Teil der deutschen Hauptstadt kommt, im Gegensatz zu Hertha BSC, der aus dem ehemaligen West-Berlin kommt.

Wie auch anderswo in Europa ruft der Fußball in Deutschland tendenziell starke Emotionen hervor, vor allem in der Fangemeinde und hier vor allem bei den engagiertesten und fanatischsten Fans, den so genannten Ultras. Wer einmal die Gelegenheit hatte, die “gelbe Mauer” im Dortmunder Signal Iduna Park mit seinen mehr als 20.000 Zuschauern, die ihre Mannschaft anfeuern, zu erleben, bekommt ein Gefühl dafür, welche Leidenschaft der Fußball in Deutschland hervorrufen kann. Es läuft einem ein Schauer über den Rücken.

Eine Wende der Leidenschaft
Probleme beginnen, wenn Leidenschaften in aggressives Verhalten umschlagen. Wie auch anderswo in Europa ist Fußball-Hooliganismus in seinen verschiedenen Formen, einschließlich offener Äußerungen von Rassismus, in und um die deutschen Stadien nach wie vor ein großes Problem. Natürlich nicht heutzutage, wo die Stadien leer sind und die Fans aufgefordert werden, zu Hause zu bleiben.

Sicherlich ist Fußball-Hooliganismus in ganz Deutschland ein Problem. Aber besonders ausgeprägt ist es im Osten des Landes. Dynamo Dresden zum Beispiel hat ein besonders negatives Image, weil einige seiner Fans für ihr aggressives Verhalten und ihre Weigerung, sich an die Sicherheitsregeln zu halten, vor allem in Bezug auf Pyrotechnik, berüchtigt sind. In Chemnitz, bekannt als Karl-Marx-Stadt unter dem kommunistischen Regime, ist ein bedeutender Teil der Fangemeinde des örtlichen Fußballvereins eng mit dem rechtsextremen Untergrund der Stadt verbunden. Zugleich haben rechtsextreme Fangruppen einen erheblichen Einfluss innerhalb des Vereins.

Nach einer Reihe von Skandalen in den vergangenen Jahren räumten die Verantwortlichen des Vereins offen ein, dass Dynamo ein ernstes Problem mit Rassismus und Antisemitismus hat. Dies war auch in der Vergangenheit in Zwickau der Fall, wo einige seiner Fans immer wieder im Zusammenhang mit rassistischen und homophoben Sprechchören während der Spiele auffielen.

Alle diese Vereine gehören der 3. Liga, der untersten Profiliga Deutschlands, an. Dies ist auch die einzige Liga mit einer nennenswerten ostdeutschen Präsenz. Derzeit gibt es fünf Vereine aus dem Osten in einem Feld von 20; in der Vergangenheit war die Zahl der Ostvereine sogar noch höher. In der Saison 2015-16 waren es beispielsweise acht. Verständlicherweise betrachten die Fans in Ostdeutschland die dritte Liga als so etwas wie “ihre” Liga. Hier spielen ehemals große Mannschaften wie der FC Magdeburg, dreimaliger DDR-Fußballmeister und Gewinner des Europapokals der Pokalsieger 1974, gegeneinander.

Diese Spiele wecken ein starkes Gefühl der Nostalgie – was auf Deutsch Ostalgie genannt wird – für die vergangenen Tage, als gewöhnliche Ostdeutsche noch jemand war, anders als heute, wo das Gefühl weit verbreitet ist, dass Ostdeutsche Bürger zweiter Klasse im vereinten Deutschland sind.

Ein Gefühl des Ressentiments
Wichtig ist auch, dass der deutsche Fussball in den vergangenen zwei Jahrzehnten zunehmend von Ressentiments geprägt war. Dies hat viel mit der dramatisch gewachsenen Kluft zwischen den Spitzenmannschaften in der Bundesliga und dem Rest des Spielfeldes zu tun. Bedeutsam ist auch der Zuzug von Neueinsteigern, denen es gelungen ist, “traditionelle” Vereine wie Nürnberg und Kaiserslautern, die in den unteren Ligen gelandet sind, zu übertrumpfen, ohne große Hoffnung, wieder ins Rampenlicht des deutschen Fußballs zu steigen.

Der Fall schlechthin für Erstere ist natürlich Bayern München, dessen quasi permanenter Einfluss auf die Meisterschaft wenig dazu beigetragen hat, sie bei den Fans außerhalb Münchens beliebt zu machen. In einer repräsentativen Umfrage unter den Fans ab 2018 landete der Klub unter den Erst- und Zweitligisten sogar auf dem letzten Platz.

Bemerkenswerterweise schnitt der Bayern seit seinem Aufstieg in die Bundesliga 2016 sogar noch schlechter ab als der RB Leipzig, bis vor kurzem das absolute Bête-Noire des deutschen Fußballs. Die Fans haben den RB als “Plastik-Club” oder “Limonaden-Club” abgetan, da er stark mit Red Bull, dem Eigentümer des Vereins, verbunden ist. Mit der Unterstützung des Energy-Drink-Herstellers schaffte RB nicht nur in Rekordzeit den Sprung in die unteren Ränge, sondern etablierte sich, einmal in der Bundesliga, auch an der Spitze der Liga. In der vergangenen Saison erreichte er sogar das Halbfinale der prestigeträchtigen Champions League.